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Schwerpunktthema: Zeitmanagement


Pletzer, Marc. A.
Zeitmanagement - Das Trainingsbuch

Freiburg: Haufe Mediengruppe, 2006


Die Pausenglocke bestimmt den Takt

So ähnlich ist es mit dem Zeitmanagement auch: Bei vielen von uns stammen die Strategien des Umgangs mit der Zeit aus der Schulzeit. Damals haben wir gelernt, auf die Pausenglocke zu reagieren. Wir hatten einen Stundeplan, der abgearbeitet werden musste. Und wenn der Lehrer nicht da war, kam entweder ein anderer oder wir wurden früher nach Hause geschickt.

Ich möchte das an dieser Stelle einfach mal passives Zeitmanagement nennen, auch wenn Ihnen das geschönt vorkommen mag, denn hier managen womöglich viele Menschen , nur der betreffende Schüler selbst nicht.

In der Ausbildung ging es dann gerade so weiter. Eine Ausnahme mögen die Studenten darstellen, von denen übrigens ziemlich viele den Studienabschluss nicht schaffen. Einer der Gründe dafür mag sein, dass der passiv getrimmte Schüler an einer Universität ein System vorfindet, in dem er plötzlich eine eigene Strategie haben muss, um sich alles einzuteilen. Denn die meisten Vorlesungen sind mindestens nach einer Einführungszeit wie dem Vordiplom oder dem Grundstudium freiwillig. Und das lernen muss komplett eigenverantwortlich erledigt werden. Viele haben dafür schlicht keine Strategie in ihrem Repertoire. Anderen gelingt es blendend, sich so zu organisieren, dass sie das Studium und vielleicht noch einen Nebenjob locker schaffen.

Nun liesse sich von diesen Könnern einiges lernen, möchte man meinen. Das stimmt. Und die starren Konzepte, die ich oben bereits als alte Schule des Zeitmanagements gebrandmarkt habe, funktionieren ja auch. Es handelt sich um Möglichkeiten, die allerdings nicht für jeden Menschen optimal geeignet sind, um sich die Zeit besser einzuteilen als bisher.

Plädoyer für einen neuen Umgang mit der Zeit

Die Lösung ist so einfach, dass Sie sicher schon daran gedacht haben: Sie benötigen einen eigenen, individuellen Umgang mit der Zeit. Das ist der einzige Weg, der Ihnen dauerhaft hilft und wirklich empfehlenswert ist. Folgen Sie nicht dem starren Konzept des einen oder anderen Gelehrten. Finden Sie ein eigenes System, das funktioniert. Vor diesem Hintergrund ist auch diese Buch verstehen. Es ist eine Lernhilfe, ein System aus vielen kleinen Systemen. Und aus diesem Baukasten wählen Sie nun beim Lesen genau die Methoden und Aspekte aus, die für Ihren Alttag am nützlichsten erscheinen. Das ist die Aufgabe , die vor Ihnen liegt und für die Sie sich in den kommenden Wochen begeistern. Dass es Spass macht, Zeit neu und anders einzuteilen, sei hier vorausgeschickt. Sie haben es ja schon gemerkt: So leicht es Ihnen fällt, diese Seiten zu lesen, so einfach ist das ganze Thema umzusetzen.

Verändern Sie Ihren Fokus!

Der nächste Schritt nach dem Erkennen Ihrer persönlichen Situation ist, dass Sie Ihren Fokus verändern. Wenn Sie bisher mit Ihrem Zeitmanagement nicht zufrieden sind, liegt es einfach nur daran, dass Sie eine falsche Strategie gelernt haben, mit der Zeit umzugehen. Und diese macht sich jetzt auf der ganzen Linie bemerkbar, ja sie mag sogar Ihr Leben unerträglich erscheinen lassen. Vielleicht arbeiten Sie sechzehn Stunden am Tag und das an sechs Tagen pro Woche. Was zuviel ist, ist zuviel. Ihnen mag es an jeglicher Idee mangeln, wie Sie aus dieser Situation herauskommen können. Das ist absolut in Ordnung, es geht vielen Menschen so. Umsteuern heisst in diesem Moment zunächst einmal, die Belastung als unerträglich und unerwünscht zu erkennen und sich diese Fakten bewusst zu machen.

Vielleicht ist es auch nur die Neugierde, die Sie dieses Buch zur Hand nehmen liess. Der Grund spielt nicht die wesentliche Rolle, schön wäre es, wenn Sie sich über Ihre Motive klar würden, bevor Sie weiter lesen. Denn dann kristallisiert sich Ihr persönliches Ziel heraus, das Sie erreichen wollen.

Veränderung oder Vermeiden von Missständen

Es gibt allerdings einen Unterschied: Ob Sie von den heutigen Missständen weg kommen wollen oder ob Sie zu neuen, besseren Zeiten aufbrechen wollen, ist nicht das Gleiche. Um das für sich zu klären, denken Sie am besten mal an andere Situationen, in denen Sie Ziele erreicht haben. Was war der wesentliche Grund, das Ziel anzustreben? Wollten Sie den neuen Zustand erreichen, um daraus bestimmte Vorteile zu ziehen? Oder wollten Sie einer anderen Situation oder einem Zustand entkommen und haben deshalb das neue Ziel erreicht? Hat Kolumbus Amerika entdeckt, weil er aus Europa weg wollte oder weil er nach Indien fahren wollte?

Viele Fragen in diesem Buch sind übrigens dazu gedacht, Ihnen Ihr eigenes Verhalten bewusst zu machen, ohne dass darauf gleich eine grössere Übung oder etwa eine Kategorisierung erfolgt. Jeder einzelne Schritt ist dabei wichtig, allerdings können Sie auch einfach weiter lesen, denn in Ihrem Innern ist die jeweilige Frage ohnehin immer gleich beantwortet, wenn Sie sie gelesen haben. Das ist ein ganz automatisch ablaufender Prozess. Es geht also weniger darum, dass Sie die Frage aktiv beantworten, sondern vor allem darum, ob Sie sich ihrer eigenen Wahrheit bewusst sind.