Beratung / Coaching
Workshops
Information
Linkportal
Web-Bibliothek
Neuanschaffungen
Standortbestimmung
Stress
Arbeiten schreiben
referieren
Prüfungen
lernen
Zeitmanagement
bewerben
Tätigkeitsbereiche
Infomappen
psychologische Themen
Frauen
Männer
Ratgeber
Schwerpunktthemen
Schlüsselkompetenzen
Studienfinanzierung
FAQs
Über uns
Kontakt


Impressum


Universität Bern
PHBern
Berner Fachhochschule

home > Information > Web-Bibliothek

Schwerpunktthema: Zeitmanagement


Schräder-Naef, Regula
Keine Zeit? Zeit-Erleben und Zeit-Planung.
Weinheim: Beltz, 1993



Zeiteinteilung beim Lernen

Viele Ergebnisse zeigen, dass nicht nur die Gesamtzahl der für das Lernen aufgewendeten Stunden über den Erfolg entscheidet, sondern auch deren Verteilung: Die Lernfortschritte sind wesentlich grösser, wenn das Lernpensum in häufigeren kleinen als wenn es in wenigen grossen Etappen aufgenommen wird.

Die Verteilung der Lernzeiten hat natürlich nicht nur beim Maschinenschreiben einen wesentlichen Einfluss auf das Lerntempo und die Behaltensleistung. Beim Lernen von Vokabeln einer Fremdsprache, beim Pauken für eine Prüfung zeigt sich, dass wir nicht nur leichter lernen, sondern auch besser behalten, wenn wir täglich eine begrenzte Zeit dafür aufwenden, als wenn wir uns tagelang ausschliesslich darauf zu konzentrieren versuchen. Gemäss zahlreichen Untersuchungen sind die Vorteile der verteilten Übung um so grösser, je mehr Stoff gelernt und je später wiederholt werden muss. Durch die Verteilung auf verschiedene Lernetappen ergibt sich nicht nur eine Zeitersparnis bei der Aufnahme, sondern auch eine dauerhafte Verankerung. Lernen lässt sich nicht einfach beschleunigen. Wenn es ganzheitlich erfolgt und nicht nur im Nachvollziehen vorgegebener Wege besteht, ist es nicht gradlinig. Auf der Suche nach Zusammenhängen sind auch Umwege, eigene Wege, Gedankensprünge wichtig.

Wie funktioniert das Gedächtnis?

Verständlich werden diese Ergebnisse, wenn wir uns vergegenwärtigen, wie unser Gedächtnis funktioniert. Ankommende Informationen werden nicht einfach vergessen oder behalten; um gespeichert zu werden, müssen sie drei verschiedene Stufen und Filter durchlaufen.

Dabei ist es wichtig zu wissen:

- Dia Aufnahmekapazität ist begrenzt; wir können zwar relativ viele Informationen in den Kurzspeicher aufnehmen – nur einen kleinen Teil davon aber ins Kurzzeitgedächtnis weiterleiten. Nach einmaligem Hören oder Lesen können wir etwa sechs bis sieben sinnlose Silben oder Zahlen fehlerfrei behalten. Ohne Wiederholung bleibt das Material aber nur kurze Zeit im Gedächtnis haften.

- Eine Vielzahl von Faktoren (z.B. Interesse, Bedeutsamkeit der Information, Störungen) entscheidet darüber, welche Informationen in den Speicher weitergeleitet werden und welche als uninteressant abgewimmelt werden.

- Für die Einteilung der Lernzeiten ist vor allem auch wichtig zu wissen, dass die Inhalte im Kurzzeitspeicher störbar sind. Verschiedenen Arten von Hemmungen werden unterschieden:

- Vorauswirkende Hemmung: Wenn sich Lernprozesse in langer Folge erstrecken, wird die Aufnahmekapazität überfordert. Es besteht keine Möglichkeit zur Nachwirkung und damit zum Übergang ins Langzeitgedächtnis. Die ersten Lernvorgänge hemmen die Einprägung der zweiten.

- Rückwirkende Hemmung: Bekommt eine Gruppe von Versuchspersonen kurz nach dem Einprägen eines Lernstoffes eine zweite Lernaufgabe, kann diese Gruppe später den ersten Stoff schlechter wiedergeben als eine zweite Gruppe, die nur diesen ersten Stoff lernen musste.

- Ähnlichkeitshemmung: Durch falsche Speicherung ergeben sich Verwechslungen, wenn sich ähnliche Lernstoffe folgen (z.B. französische Vokabeln nach spanischen Vokabeln).

- Gleichzeitigkeitshemmung: Störungen durch gleichzeitiges Aufnehmen mehrere Informationen (z.B. Radio und Lernaufgaben).

- Erinnerungshemmung: Die Wiedergabe bzw. der Abruf gespeicherter Informationen wird gestört, wenn kurz vorher nochmals neue Lernprozesse in Gang gesetzt werden. Dies wird beispielsweise dann beobachtet, wenn Schüler kurz vor Beginn der Prüfung noch ein ganz neues Kapitel in Angriff nehmen; in der Prüfung erinnern sie sich plötzlich nicht mehr an das früher Gelernte.

Schlussfolgerungen für die Zeiteinteilung beim Lernen

- Nicht zu lange Zeit hintereinander lernen; sonst werden die Informationen zwar in den Kurzzeit-Speicher aufgenommen, aber keine Voraussetzungen für ein dauerhaftes Behalten geschaffen.

- Wechseln zwischen Aufnehmen (z.B. Lesen) und Wiedergeben (mündlich oder schriftlich). Nach einiger Zeit zu einem ganz anderen Stoffgebiet übergehen.

- Bei grösseren Lernaufgaben rechtzeitig Pausen einschalten. Besser als tagelanges konzentriertes Lernen ist eine Aufteilung in kürzere Lernetappen. Wer vor einer Prüfung rechtzeitig mit Lernen beginnt und beispielsweise während 10 Wochen je 4 Stunden pro Woche lernt, wird einen wesentlich höheren Lernerfolg aufweisen als ein Kollege, der während der letzten Woche 40 Stunden vor den gleichen Büchern sitzt.

- Je umfangreicher der Lernstoff ist und je langfristiger die Speicherung sein soll, desto wichtiger werden Wiederholungen. Die erste Wiederholung sollte möglichst bald nach dem Lernen stattfinden, die weiteren dann in zunehmend grösseren Abständen.

- Empfehlenswert bei umfangreichen Lernaufgaben (Vorbereitung auf grosse Prüfungen ) ist folgendes Vorgehen:

- Aufgliederung des Stoffes in Lernetappen

- Lernen im Wechsel von Aufnehmen und Verarbeiten

- Am Ende jeder Lernetappe Kontrolle der Notizen, ob alles klar ist und verstanden wurde

- Zu Beginn der nächsten Lernetappe Repetition des vorangegangenen Lernstoffes

- Erneute Wiederholung nach einer Woche und nach einem Monat.