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Schwerpunkt: Doktorieren


Helga Knigge-Illner:
Der Weg zum Doktortitel.
Strategien für die erfolgreiche Promotion.
Rezension

Helga Knigge-Illner hat ihr erfolgreiches Buch aus dem Jahr 2002 überarbeitet, erweitert und neu aufgelegt: eine - dies sei bereits zu Beginn festgehalten – gute Entscheidung von Verlag und Autorin! Das Buch ist sehr kundenorientiert: Es ist klug aufgebaut und thematisiert die wesentlichen Aspekte, die sich aus der Beschäftigung mit einer Dissertation ergeben. Der Text ist mit farbigen Beispielen aus dem Diss-Alltag der Doktorierenden der Autorin angereichert und überdies mit vielerlei praktischen Tipps und Checklisten ergänzt.

Das erste Kapitel behandelt gründlich und umfangreich die grundsätzlichen motivationalen Fragen rund um die Dissertation. Die Autorin hebt deutlich hervor, dass günstige akademische Rahmenbedingungen und optimistische Karrierewünsche als nachhaltige Motivationsbasis für ein aufwändiges Promotionsprojekt nicht ausreichen, dass ein intrinsisches "feu sacré" für das gewählte wissenschaftliche Topos unabdingbar dazugehört. Sehr hilfreich sind die nun neu dazugekommenen Ergänzungen zur präzisen Beachtung der Lebensumstände (Dissertieren mit Kindern oder Dissertieren neben einer "normalen" extraakademischen Anstellung) und auch die Beschreibung der neuen institutionalisierten Formen des Dissertierens, der Graduiertenkollegs, die im Zusammenhang mit der Bolognareform als dritter und letzter Studienabschnitt entstanden sind und zunehmend an Popularität gewinnen. Eine Stärke des Stils von Knigge-Illner ist die empathische und nicht normative Darstellung multipler Lebens- und damit auch Dissertationsformen.

Ist die prinzipielle Entscheidung für eine Diss gefällt, der Doktorvater oder die Doktormutter gefunden, gehts dann ans konkrete Projektmanagement und die Arbeitsplanung: Damit beschäftigt sich das 2.Kapitel. Es ist ein Verdienst Knigge-Illners, ein Dissertationsvorhaben als Projekt zu kodieren und damit die Methoden des Projektmanagements (Planung, Zeitmanagement, Controlling etc.) anschaulich und detailliert nutzbar zu machen. Die Arbeitsplan-Entwürfe der Autorin sind stark auf Literaturarbeiten fokussiert, stärker empirisch ausgerichtete Forschende indessen, die mit Fragebogen, Experimenten, Interviews etc. arbeiten, erkennen sich darin wohl etwas weniger. Sehr dienlich wiederum der sorgfältige Überblick über die diversen Finanzierungsmöglichkeiten einer Diss.

Eine gute Anleitung zur Themenwahl liefert das dritte Kapitel: praxisnah, Schritt für Schritt die relevanten Aspekte beleuchtend und den Dissertand davor bewahrend, sich in Einsteinsche Genie-Kapriolen zu versteigen. Eine besondere Spezialität der Autorin ist ihre profunde Kenntnis des wissenschaftlichen Lesens, insbesondere der SQ3R-Methode, die sie der Doktorandin als didaktische Hilfe nahebringt. Die Aktualität dieser Neupublikation zeigt sich auch darin, dass die Autorin auf die zeitgemässen elektronischen Literaturverarbeitungssysteme hinweist. Hervorzuheben in diesem Kapitel wiederum das Postmodern-Undogmatische: Jede Dissertandin ist eingeladen, ihren eigenen Arbeitsstil zu suchen und zu finden.

Anregend zu lesen auch das vierte Kapitel über das wissenschaftliche Schreiben: Es gelingt Knigge-Illner, ihre reiche Erfahrung mit Promovieren und Promovierenden, insbesondere die handwerkliche Analyse des wissenschaftlichen Schreibprozesses, für Neu-Promovierende anschaulich aufzubereiten. Und die Autorin beweist mit diesem Werk, dass sie ihr Metier versteht: Das Buch selbst mit seinem klaren Aufbau, mit Einleitung, logischer Gliederung, einbauten Tipps und Zwischen-Fazits könnte als Modell für eine wissenschaftliche Publikation dienen! Es wird überdies sichtbar, dass Knigge-Illners Qualifikation als Psychotherapeutin ihr gerade auch im Zusammenhang mit Schreiben und Schreibblockaden eine wertvolle Ressource ist. Dieser vierte Teil gewinnt in der Neuauflage durch die Ergänzung um die wichtigen Tipps zur Vernetzung mit der Scientific Community.

Diese Vernetzungs-Hinweise führen zum letzten Teil: zur Präsentation und Publikation der Diss. Der Doktorand wird praxisnah begleitet, wie er mit Übungen sich möglichst gut auf die Präsentation und Verteidigung seiner Arbeit vorbereiten könnte. Das Buch endet mit nützlichen Hinweisen zu den Modalitäten des Publizierens.

Das Layout wurde modernisiert, das Titelbild prägnanter gestaltet, das Literaturverzeichnis ergänzt und aktualisiert. Positiv aus Sicht der Nutzerfreundlichkeit hervorzuheben ist auch, dass die Anmerkungen am Schluss weggelassen und die Literaturhinweise dafür direkt im Text platziert wurden. Schade hingegen, dass das Register in der Neuauflage weggestrichen wurde.

Insgesamt also nach wie vor ein für Promotions-Interessierte und für deren Betreuerinnen und Betreuer sehr lesenswertes Buch!


von Sandro Vicini
Beratungsstelle der Berner Hochschulen
in der Zeitschrift: Das Hochschulwesen. 4/2009, Bielefeld


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