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Schwerpunktthema: Zeitmanagement


Rückert, Hans-Werner
Schluss mit dem ewigen Aufschieben

Frankfurt/Main: Campus Verlag 2006


Mechanismen und Lösungswege

Ausweichen

Wer aufschiebt, geht aus dem Feld und weicht auf etwas anderes aus. Statt zu arbeiten, können Sie Tagträumen nachhängen, telefonieren oder fernsehen, Briefe schreiben oder essen. Wenn Ihnen nichts richtig Angenehmes einfällt, können Sie immer noch weniger unangenehme Aufgaben erledigen. Wie viele Teppiche sind gesaugt, wie viele Küchenherde gereinigt, wie viele Schuhe geputzt worden, aus keinem anderen Grund, als ein anderes Vorhaben zu vermeiden. Die vielfältigen Ablenkungen, das, was alles anstelle des eigentlichen Projekts gedacht, gefühlt und gemacht werden kann, gehört zum Problem des Aufschiebens dazu. Es ist der Bereich des Eskapismus, der Ausreden, des Selbstbetrugs, aber auch der stillen Freuden und der klammheimlichen Befriedigung.

Innerer Kampf

Vielleicht haben Sie sich bereits mehrfach vorgenommen, sich zu ändern, sind aber stets in den Fallen von Ungeduld, Gegenkräften und Angst hängen geblieben. Da Sie von den Gründen für das Aufschieben nichts gewusst haben, konnten Sie an ihnen auch nichts ändern. Sie sind unzufrieden mit sich und schimpfen auf Ihre schlechte Angewohnheit. Tatsächlich ist hartes Aufschieben auch eine Gewohnheit, möglicherweise aber eine, die sie durch erhöhte Selbstdisziplin nicht direkt überwinden können. Das liegt daran, dass Sie sich mit dem Aufschieben schützen, und zwar vor Gefühlen und Zuständen, die Sie bewusst oder unbewusst noch mehr fürchten als Ihre Unzufriedenheit wegen des Aufschiebens.

Hartnäckiges Herauszögern verrät als Symptom etwas über die Kräfte, die sich in Ihnen in einem dynamischen Gleichgewicht befinden, in einem anstrengenden Stillstand: Ihr Wille kämpft gegen den inneren Schweinehund, wie zwei japanische Sumo-Ringer, beide gleich stark, die sich ineinander verknäuelt haben, aus Leibeskräften schieben und drücken und sich keinen Millimeter von der Stelle bewegen.

Konflikt

Um aus dem Teufelskreis des Aufschiebens herauszukommen, brauchen Sie ein Bewusstsein dafür, welche Konflikte Ihr Aufschiebeprogramm eigentlich in Gang halten. Oft haben sie mit einer uneindeutigen Motivation zu tun, mit hohen Ansprüchen an sich selbst kennen, desto mehr werden Sie verstehen, wovor Sie sich schützen. Ihre Selbsterkenntnis hilft Ihnen dabei , sich zu akzeptieren. Damit sind sie weniger verletzlich und brauchen weniger Schutz. Wenn Sie sich stärker fühlen und neue, bessere Strategien kennen, können Sie es sich leisten Risiken auf sich zu nehmen. Ausserdem können Sie Ihre Befürchtungen realistisch überprüfen. Möglicherweise haben Sie in Ihren Vorhaben, Entscheidungen und Aufgaben zu Gefährliches gewittert. Wenn Sie Ihr Aufschieben verändern oder überwinden wollen, dann hilft Ihnen schliesslich auch ein Verständnis für die vielen Schliche und Nebenwege, mit denen Sie sich bislang vor dem gedrückt haben, was sie eigentlich tun wollen. Je genauer Sie Ihre Tricks kennen, desto besser können Sie sich gegen Fallen wappnen, die auf dem Weg zu brauchbaren Lösungen für das Problem stehen.

Lösungsmöglichkeiten

Es gibt übrigens drei wesentliche Lösungen:

- Sie tun das, von dem Sie sagen, dass Sie es wollen oder von dem Sie akzeptieren, dass Sie es müssen, wenn Sie bestimmte Effekte erzielen wollen ( die Diplomarbeit schreiben und abgeben, um das Studium abzuschliessen).

- Sie geben Ihre Vorhaben auf und tyrannisieren sich nicht länger mit der Vorstellung, dass Sie jene Dinge machen müssten, die Sie all die Jahre nicht gemacht haben. Sie wechseln den Job und suchen sich einen, der Ihnen weniger Stress bereitet.

- Sie entscheiden sich dafür, weiter aufzuschieben, lernen aber, das Leid und die Selbstverachtung einzugrenzen und eventuell sogar Spass am Aufschieben und am Spiel mit dem Feuer zu empfinden. Sie entwickeln die Bereitschaft, etwaige negative Folgen Ihre Aufschiebens in Kauf zu nehmen .

Für jede dieser Lösungen brauchen Sie Wissen, Geduld, die Bereitschaft, sich etwas mehr als bisher anzustrengen, und eine Portion Durchhaltewillen. Selbsterkenntnis ist nicht immer nur angenehm, aber das Bewusstsein dafür, an einer wichtigen Sache zu arbeiten, stellt eine Belohnung in sich selbst dar. Und wer oder was könnte wichtiger sein als Sie selbst?